Psychotrauma in Zusammenhang mit medizinischen Behandlungen/Operationen/Narkosen

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Ich möchte Euch/Ihnen heute von einem Thema erzählen, mit dem ich mich seit Wochen sehr intensiv auseinandersetze.... den (zum Teil traumatisierenden) Folgen von medizinischen Eingriffen/Behandlungen (Operationen, Narkosen). 

 

Ich erlebe immer wieder Erwachsene mit chronischen unklaren und wechselnden Schmerzen, zu denen es oft keine organisch nachweisbare Ursache gibt und die Menschen sich irgendwann selbst in Frage stellen und sich (zu Recht) auch oft nicht mehr ernst genommen fühlen. Dahinter stecken häufig Traumatisierungen, die den Betroffenen gar nicht als solche bewusst sind, da die Traumareaktionen oft erst verzögert auftreten. 

 

In der Traumatherapeutischen Arbeit mit z.B. Unfällen wird häufig deutlich, dass nicht nur der Unfall an sich traumatisierend war, sondern auch die spätere Behandlung und die Reaktionen des Umfeldes.

 

Angefangen bei der Diagnose schwerwiegender Erkrankungen, bis hin zu den medizinischen Folgen von Stürzen, Unfällen, Knochenbrüchen als Erwachsene oder auch in der Kindheit/Jugend... und anschließend notwendige Operationen. Aber auch Operationen, die bereits als Kleinkind/Baby durchgeführt wurden (z.B. bei Herzfehler, Frühgeburtsschäden) - und zwar bis Mitte der 1980er Jahre meist ohne jede Narkose. Zum einen, weil die Narkosesteuerung bei Babys wohl sehr schwierig war und ein zusätzliches, womöglich lebensbedrohliches Risiko - neben der schon vorhandenen Erkrankung oder Verletzung darstellte, zum anderen aber wohl auch, weil bis Ende der 1990er Jahre angenommen wurde, Babys hätten noch kein Schmerzempfinden. Das dies nicht so ist, wurde inzwischen vielfach belegt.

Dennoch können sich Betroffene an diese vorsprachliche Zeit nicht im erzählbaren und in Bildern erinnerbaren Sinne erinnern. Doch der Körper speichert auch diese Erfahrungen (implizites/prozedurales Gedächtnis) - häufig im Sinne eines Schmerzgedächtnisses oder auch im Sinne unspezifischer Ängste und belastet Menschen oft ein Leben lang. Ein sehr spannendes Thema, dem ich mich in nächster Zeit noch intensiver widmen werde und dann natürlich auch hier darüber berichte. 

 

Leider fragen viele Psychotherapeuten das Thema "Operationen, Stürze oder Unfälle" und deren medizinische und psychologische Wirkungen in der Anamnese gar nicht ab, sodass diese Zusammenhänge häufig nicht oder spät erkannt werden.

 

Einen interessanten Kurzbericht dazu gibt es in diesem Video...:

https://www.arte.tv/de/videos/065448-014-A/damals-normal-heute-skandal-op-am-baby-narkose-ueberfluessig

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